Digitalisierung

Wie priorisiere ich fünf konkrete Digitalisierungsprojekte, wenn Budget und Ressourcen halbiert wurden

Wie priorisiere ich fünf konkrete Digitalisierungsprojekte, wenn Budget und Ressourcen halbiert wurden

Situation skizzieren: Warum Priorisierung jetzt anders aussehen muss

Plötzliches Halbieren von Budget und Ressourcen ist kein theoretisches Szenario, das nur in Workshops vorkommt — das passiert in echten Unternehmen, oft mitten in laufenden Digitalisierungsinitiativen. In solchen Momenten darf Priorisierung nicht länger ein Bauchgefühl oder ein politisches Kompromisspapier sein. Ich handle dann so, dass wir schnell handlungsfähig bleiben und gleichzeitig maximalen Geschäftswert sichern.

Meine Prämissen für die Priorisierung

Bevor ich einzelne Projekte bewerte, stelle ich drei unverrückbare Prämissen auf:

  • Geschäftswert zuerst: Projekte müssen klar messbaren Beitrag zu Umsatz, Kostenreduktion oder Risikovermeidung leisten.
  • Schnelle Lernzyklen: Bevorzugt werden Initiativen, die in kurzen Iterationen getestet und skaliert werden können.
  • Wenige, klare Verantwortlichkeiten: Jedes verbleibende Projekt braucht eine eindeutige Person, die Entscheidungen trifft und Blocker beseitigt.
  • Das Bewertungsmodell: Was ich in die Waagschale werfe

    Ich nutze eine kombinierte Bewertungsmatrix aus Impact, Zeit bis zum Nutzen, Aufwand und Abhängigkeiten — angelehnt an Frameworks wie RICE oder ICE, ergänzt um ein Risiko- und Skalierungs-Kriterium. Wichtig: Die Skala ist bewusst simpel (1–5), damit Entscheidungen schnell getroffen werden können.

    Kriterium Was es misst
    Impact (1-5) Wie stark das Projekt Umsatz, Kosten oder Kundenbindung beeinflusst
    Time-to-Benefit (1-5) Wie schnell der Nutzen realistisch eintritt
    Effort (1-5, invertiert) Ressourcenbedarf — hohe Werte bevorzugen niedrigen Aufwand
    Dependencies (1-5, invertiert) Wie unabhängig das Projekt ist (weniger Abhängigkeiten = besser)
    Risiko & Skalierbarkeit (1-5) Technisches/organisatorisches Risiko und Potenzial zur Skalierung

    Beispiel: Fünf Projekte, eine knappe Ressource

    Angenommen, die fünf Projekte sind:

  • CRM-Migration (z. B. zu Salesforce)
  • Automatisierung von Rechnungsprozessen
  • Website-Relaunch mit neuen Conversion-Elementen
  • Kundendatenplattform (CDP) als Basis für personalisiertes Marketing
  • Mobile-App-Prototyp für Key Account Kunden
  • Ich bewerte jedes Projekt in der Matrix, addiere die Punkte und priorisiere entsprechend. Hier ein vereinfachtes Beispiel (Punkte zwischen 1 und 5, höher = besser):

    Projekt Impact Time-to-Benefit Effort Dependencies Risiko/Skal. Gesamt
    Automatisierung Rechnungen 4 5 4 5 4 22
    Website-Relaunch (Conversion) 3 4 3 4 3 17
    CRM-Migration 4 2 2 2 3 13
    CDP 5 2 2 1 2 12
    Mobile-App-Prototyp 2 3 1 4 2 12

    In diesem fiktiven Fall wäre die Rechnungsautomatisierung klar priorisiert, weil sie schnell messbaren Kostennutzen bringt und wenig Abhängigkeiten hat. Website-Maßnahmen kommen als zweites, da sie moderaten Impact bei relativ kurzer Time-to-Benefit bringen. CRM, CDP und App werden verschoben oder neu verhandelt.

    Wie ich Projekte verkleinere oder umstrukturiere

    Wenn Budget und Kapazität halbiert sind, stoppe ich keine Projekte stillschweigend — ich zerlege sie in kleinere, eigenständige Minimal Viable Initiatives (MVI). Das vermeidet „Alles-oder-Nichts“-Risiken.

  • Scope-Reduktion: Konzentriere auf Kernfunktionalitäten, die direkten Nutzen liefern. Bei der CRM-Migration z. B. erst Lead-Management und Reporting, dann Integrationen.
  • Phasen-Ansatz: Phase 1 = Quick Wins (Pilot, Automatisierung), Phase 2 = Skalierung, Phase 3 = Optimierung.
  • Externe Hilfe gezielt einsetzen: Für Spezialaufgaben ziehe ich kurzfristig Freelancer oder spezialisierte Agenturen (z. B. für Data Engineering oder UX) heran — oft günstiger und schneller als Inhouse-Training.
  • Stakeholder-Management: So gewinne ich Unterstützung

    Priorisierung ist nicht nur eine technische Übung — sie ist politisch und emotional. Ich handle so:

  • Transparenz: Ich zeige die Bewertungsmatrix offen, erkläre die Gewichtung und lasse Stakeholder ihre Einschätzung eintragen.
  • Quick Wins kommunizieren: Sichtbare Erfolge (z. B. reduzierte Bearbeitungszeiten bei Rechnungen) nutze ich, um Vertrauen zurückzugewinnen.
  • Vertragliche Klarheit: Für jedes beibehaltene Projekt setze ich klare KPIs, Budget-Checkpoints und ein Kündigungsrecht, falls Zielvorgaben nicht erreicht werden.
  • Messung und Steuerung: Welche KPIs ich nutze

    Ich definiere für jedes Projekt maximal drei KPIs, die direkt mit Geschäftserfolg verbunden sind:

  • Finanziell: Kostenersparnis, Time-to-Cash, Umsatzsteigerung
  • Operational: Durchlaufzeiten, Automatisierungsgrad, Fehlerquote
  • Kundenorientiert: Conversion-Rate, NPS, Churn
  • Wöchentliches Reporting in kompakten Dashboards hilft uns, schnell Kurskorrekturen vorzunehmen. Tools wie Power BI, Tableau oder auch Looker können hier helfen; für einfache Fälle genügt ein Google Sheets-Dashboard mit klaren Ampel-Logiken.

    Szenarien-Planung: Was ich bereithalte, wenn es noch enger wird

    Für den schlimmsten Fall erstelle ich zwei Szenarien:

  • Minimaler Fortbestand (Survival Mode): Nur Projekte mit direktem Cash-Impact laufen weiter.
  • Strategische Reserve (Optional): Ein kleines Innovationsbudget bleibt, um Chancen nicht komplett zu blockieren.
  • Diese Szenarien werden vorab mit dem Vorstand abgestimmt, damit bei weiteren Kürzungen schnelle Entscheidungen möglich sind.

    Praxis-Hack: Ein Entscheidungs-Template

    Wenn Sie es direkt nutzen wollen, kopieren Sie dieses einfache Template in ein Sheet:

  • Spalten: Projekt | Impact (1-5) | Time-to-Benefit (1-5) | Effort (1-5 invertiert) | Dependencies (1-5 invertiert) | Risiko/Skal (1-5) | Gesamt | Owner | KPI | Status
  • Füllen, summieren, priorisieren. Danach: Zwei Tage intensives Alignment mit Stakeholdern — dann handeln.

    Bei knappen Ressourcen geht es nicht darum, alles perfekt zu machen. Es geht darum, richtige Kompromisse zu treffen, Transparenz zu schaffen und mutig kleine, messbare Schritte zu setzen, die das Unternehmen handlungsfähig halten. Auf Hgd Team teile ich dazu Checklisten und Templates, die Sie sofort anwenden können — prüfen Sie die Ressourcen auf https://www.hgd-team.de.

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