Digitalisierung

Wie sie ein minimal‑viable‑product für interne prozessautomation in 90 tagen testen

Wie sie ein minimal‑viable‑product für interne prozessautomation in 90 tagen testen

Als Beraterin begleite ich regelmäßig Teams, die interne Prozesse automatisieren wollen – aber nur wenige schaffen es, in kurzer Zeit ein getestetes Minimalprodukt auf den Tisch zu bringen. In diesem Artikel schildere ich meinen pragmatischen Ansatz, wie Sie ein Minimal Viable Product (MVP) für interne Prozessautomation innerhalb von 90 Tagen validieren können. Keine Theorie: konkrete Schritte, Tools, typische Stolpersteine und Metriken, die ich in Projekten immer wieder einsetze.

Warum ein MVP für interne Automatisierung?

Viele Unternehmen starten mit großen Automatisierungsprojekten, die Monate — manchmal Jahre — dauern. Ergebnis: Überdimensionierte Lösungen, unklare Prioritäten und frustrierte Anwender. Ein MVP zwingt dazu, das kleinste, funktionale Produkt zu bauen, das echten Nutzen liefert und schnell Feedback ermöglicht. Für interne Prozesse heißt das: automatisieren, was die größte Zeitersparnis oder Fehlerreduktion bringt, und zwar so schlank wie möglich.

Agenda für 90 Tage — meine bewährte Struktur

Ich teile die 90 Tage in drei 30-Tage-Phasen. Jede Phase hat ein klares Ziel, Deliverables und Metriken.

  • Phase 1 (Tag 0–30): Problemdefinition & Prototyp
  • Phase 2 (Tag 31–60): Beta-Implementierung & Messung
  • Phase 3 (Tag 61–90): Iteration, Rollout auf Pilotgruppe & Entscheidung
  • Phase 1 — Problemdefinition & Prototyp

    In den ersten 30 Tagen geht es darum, das Problem scharf zu definieren und einen einfachen Prototypen zu bauen, den Anwender wirklich testen können.

    Konkrete Schritte:

  • Stakeholder-Interviews: Sprechen Sie mit 5–8 Mitarbeitenden, die den Prozess täglich nutzen. Ich nehme aktiv teil und notiere Workarounds, Pain Points und Wunschzustände.
  • Messbare Ziele setzen: Zeitersparnis pro Vorgang, Anzahl Fehler/Monat, Durchlaufzeit. Ohne Metriken ist alles subjektiv.
  • Scope minimieren: Wählen Sie einen klar abgegrenzten Teilprozess (z. B. Rechnungsfreigaben, Onboarding-Checkliste, Lead-Qualifizierung).
  • Low-code/No-code-Prototyp: Nutzen Sie Tools wie Make (ehemals Integromat), Zapier, Microsoft Power Automate, Airtable oder simple Google-Formulare kombiniert mit Sheets. Ziel: kein langer Entwicklungszyklus.
  • Mein Tipp: Ein Klick-Dummy oder automatischer E-Mail-Workflow ist oft ausreichend, um das Konzept zu verifizieren. Wichtig ist, dass echte Nutzer das Tool im Alltag ausprobieren können.

    Phase 2 — Beta-Implementierung & Messung

    Nach dem Prototypen folgt die Beta, diesmal mit echten Daten und definierten KPIs.

  • Technische Verfeinerung: Stabilität erhöhen, Logging einbauen, Fehlerbehandlung definieren.
  • Datensicherheit: Prüfen Sie Berechtigungen und Datenschutz. Für viele internen Prozesse ist das ein Must-have (z. B. personenbezogene Daten bei HR-Prozessen).
  • Pilotgruppe starten: 10–20 Power-User in einer Abteilung. Ich empfehle, direkt mit Enthusiasten zu beginnen — sie geben konstruktives Feedback schneller.
  • Metriken erfassen: Täglich/ wöchentlich Time-on-task, Fehlerquote, CSAT (kurze Umfrage: 1–5) und Anzahl manueller Eingriffe.
  • Beispiel-KPI: Wenn die manuelle Bearbeitung eines Vorgangs bisher 20 Minuten dauerte, ist das Ziel für die Beta: ≤10 Minuten pro Vorgang und mindestens 30% Reduktion von Fehlern.

    Phase 3 — Iteration, Pilot-Rollout & Entscheidung

    Die letzten 30 Tage sind für Iterationen basierend auf Daten und ein kontrolliertes Rollout reserviert.

  • Feedback-Loops: Wöchentliche Reviews mit Pilotnutzer:innen, um kleine Anpassungen schnell umzusetzen.
  • Automatisierungsgrad messen: Welcher Anteil des Prozesses ist jetzt vollständig automatisiert? Wo bleiben manuelle Handoffs?
  • Wirtschaftlichkeit prüfen: Cost-of-Delay, Einsparungen (Time × Personalkosten), und ROI-Hochrechnung für 12 Monate.
  • Go/No-Go-Entscheidung vorbereiten: Auf Basis definierter Erfolgskriterien entscheiden Stakeholder, ob skaliert wird.
  • Praxisbeispiel: Rechnungsfreigabe in 90 Tagen

    Ich habe dieses Vorgehen mehrfach für die Rechnungsfreigabe eingesetzt. Kurz zusammengefasst:

  • Tag 0–30: Interviews mit Buchhaltung + Fachbereichen, Prototyp mit Google Forms → automatisches PDF in Google Drive + Benachrichtigung via Slack.
  • Tag 31–60: Beta mit 15 Anwender:innen; Integration in ERP via CSV-Export; KPIs: 40% Zeitersparnis, Fehlerquote halbiert.
  • Tag 61–90: Iteration (automatisches Matching von Bestellnummern), Pilot auf 3 Teams ausgerollt, CFO genehmigt Skalierung.
  • Tools, die ich empfehle (nach Einsatzszenario)

    Je nach Komplexität nutze ich unterschiedliche Werkzeuge:

  • No-/Low-Code: Make, Zapier, Power Automate — ideal für schnelle Integrationen.
  • Datenhaltung & einfache UIs: Airtable, Notion, Google Sheets/Forms.
  • Robotic Process Automation (RPA): UiPath, Automation Anywhere — wenn Legacy-Systeme ohne APIs angebunden werden müssen.
  • Communication & Change: Slack, Microsoft Teams, kurze In-App-Hilfen mit WalkMe oder eigenen Tooltips.
  • Typische Fehler — und wie Sie sie vermeiden

    Meine Erfahrungen zeigen, dass Projekte oft an folgenden Punkten scheitern:

  • Zu großer Scope: Starten Sie nicht mit dem ganzen Prozess. Ein klarer MVP-Bereich ist entscheidend.
  • Mangelnde Messgrößen: Ohne KPIs ist keine valide Entscheidung möglich.
  • Fehlende Anwender-Einbindung: Wer nicht getestet hat, wird später nicht akzeptieren.
  • Technologie als Startpunkt: Beginnen Sie mit dem Problem, nicht mit dem Tool.
  • Vermeidung: Definieren Sie Success Criteria vor dem Bau, sammeln Sie Daten von Tag 1 und binden Sie Anwender in jede Iteration ein.

    Entscheidungskriterien nach 90 Tagen

    Am Ende der 90 Tage sollten Sie eine klare Empfehlung haben — skalieren, weiter iterieren oder zurückstellen. Wichtige Kriterien:

  • Operative KPIs: Erreichte Zeitersparnis, Fehlerreduktion, Anzahl automatisierter Schritte.
  • Nutzerzufriedenheit: CSAT ≥ 4 von 5 ist ein gutes Zeichen.
  • Kalkulierter ROI: Break-even-Zeitraum und Skalierungskosten.
  • Technische Machbarkeit: Schnittstellen, Wartbarkeit, Sicherheitsanforderungen.
  • FrageSchwellenwert für "weiter skalieren"
    Zeitersparnis pro Vorgang>= 30%
    Fehlerreduktion>= 25%
    CSAT (Pilotgruppe)>= 4/5
    Break-even<= 12 Monate

    Was ich von Ihnen erwarte — und wie ich unterstütze

    Wenn Sie dieses 90-Tage-Programm anwenden wollen, empfehlen ich, folgende Ressourcen bereitzustellen: ein kleines Budget für Tools, 1–2 Product Owner aus dem Fachbereich, IT-Ansprechpartner für Rechte und Schnittstellen und eine Pilotgruppe von 10–20 Personen. Ich begleite Workshops zur Problemdefinition, unterstütze bei der Auswahl der Tools und helfe bei der KPI-Messung und Entscheidungsdokumentation.

    Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen gerne eine kurze 1‑Seiten-Roadmap für Ihr konkretes Prozessfeld — nennen Sie mir kurz Prozess, Ziel und verfügbare Tools, und ich antworte mit einem pragmatischen 90‑Tage-Plan.

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